Vom Boulderer zum Triathleten | Wie ich zum Triathlon kam

Vom Boulderer zum Triathleten | Wie ich zum Triathlon kam

Die Vorgeschichte

Vor meiner Zeit als Triathlet hatte ich schon länger nichts mehr mit Ausdauersport zutun, ich war seit über 10 Jahren Boulderer. Für diejenigen die mit Bouldern nicht anfangen können, es ist eine Form des Kletterns. Mit ungefähr 20 Jahren lief ich, angetrieben durch einen Arbeitskollegen, einen Ultramarathon (60km). Als ich darauf hin weiter trainieren wollte, bekam ich Knieprobleme und hörte mit dem Laufen vorerst auf. Über die Jahre meines Studiums hatte ich mich dann ausschließlich auf Klettern konzentriert.

Als ich 2015 meinen Horizont im Bergsport ein wenig erweitern wollte, fehlte mir die Ausdauer. Vom Bouldern oder Sportklettern war ich es gewohnt maximal 30m am Stück an meine Grenze zu gehen und mich danach wieder für einige Zeit entspannen zu können. 30m, wir reden hier von vielleicht 10 Minuten. Das können zwar zehn sehr harte Minuten sein aber mit Ausdauer wie man sie beim Laufen oder Radfahren benötigt hat das nicht viel zutun.

Im Spätsommer war ich dann mit einem Freund in Italien zum Klettern. An einem Abend trafen wir einen bekannten Kletterer den wir länger nicht gesehen hatten. Er kam uns mit seinem Rennrad entgegen und war unterwegs zum Abendessen. Er erzählte uns, dass er die Route Underground klettern wolle, der härteste Überhang in Italien. Bedingt durch die Hitze tagsüber hatte er immer nur am frühen Abend ein bis zwei Versuche. In der Mittagssonne war es viel zu heiß. Also fuhr er tagsüber Rennrad und ging zwischendurch im Gardasee baden. Er meinte, dass er sich durch die Radfahrten fitter fürs Klettern fühlt und zusätzlich vielleicht noch ein bisschen leichter werden könnte. Davon war ich sofort überzeugt.

Als ich dann anfing Mehrseillängen klettern zu wollen und zum Bergsteigen ging, merkte ich sehr schnell, dass ich mit meiner Ausdauer nicht sehr weit komme. Das ich relativ stark klettern konnte, brachte mir leider gar nichts. Ich musste was tun.

Ich muss an meiner Ausdauer arbeiten

Im Anschluss an den Kletterurlaub im Warmen folgte für mich noch eine Woche Bergsteigen in den Zillertaler Alpen. Ich hatte nicht gerade vernachlässigbare Konditionsprobleme. Vor allem in der Höhe zwischen 2500 und 3000 Metern.

Schon auf dem Weg nachhause war mir klar, dass ich an meiner Ausdauer arbeiten muss. Laufen gehen und Fahrradfahren hatte ich mir vorgenommen. Von einem Arbeitskollegen kaufte ich mir ein neues Rennrad, er hatte es seit vier Jahren neu in einem Karton in der Garage stehen und wollte es zufällig verkaufen. Mehr dazu würde jetzt aber den Rahmen sprengen…

Ich machte in diesem Jahr noch einige Radtouren. Mit der zunehmenden Kälte blieb das Rennrad jedoch irgendwann stehen und ich konzentrierte mich auf das Laufen. Im Frühling 2016 fiel mir mein Gewinn an Ausdauer dann erstmals auf. Längere Fahrten auf dem Rennrad empfand ich zwar nicht als angenehm aber meine Beine und meine Atmung blieben relativ entspannt.

Ich werde Triathlet!

Über Ostern war ich mit meiner Freundin auf Mallorca. Es sollte ein entspannter Urlaub werden. Sightseeing und Wandern stand auf dem Programm. Klettern wollte ich auch mal gehen. Was wir allerdings nicht wussten, im Frühling ist gefühlt jeder Radfahrer der Welt auf Mallorca. Zumindest kam uns das so vor. Wir wohnten im Norden der Insel in Port d’Alcúdia und hatten noch nie so viele Rennradfahrer auf einem Haufen gesehen. Ich war fasziniert. Aus dem Klettern wurde nicht viel, also ging ich morgens vor dem Frühstück an der Strandpromenade laufen. Egal wie früh, nie war ich allein unterwegs. Überall rannten fitte Menschen durch die Gegend. An einem Morgen sah ich zwei Typen die eingehüllt in ihren Wetsuits schwimmen gingen.

Abends dann in unserer lieblings Tapas Bar belauschten wir ein Gespräch von einem Pärchen. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher aber es ging in irgend einer Form um Training und ich konnte das Wort Ironman verstehen. Ironman, das kam mir bekannt vor. Als Jugendlicher hatte ich mich schonmal darüber informiert. Als ich mir die Streckenlänge anschaute war die Euphorie schnell vorbei.
3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen!?
Schnell widmete ich mich wieder dem Bouldern.

In diesem Urlaub ging mir der motivierte Typ nicht mehr aus dem Kopf. Ich glaube, selbst jetzt würde ich ihn noch erkennen.
Noch in der Nacht schaute ich mir einige Triathlon Videos von Langdistanzen an und war motiviert und infiziert.

Ich wollte unbedingt auch so fit werden! Ich wollte Triathlet werden!

Diese Motivation und mein innerer Antrieb so fit zu werden, wie der Typ an den ich mich in jeder harten Einheit immer wieder erinnere, halten bis heute an.

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