Brauch ich die neue Sram RED eTap AXS Schaltgruppe?

Brauch ich die neue Sram RED eTap AXS Schaltgruppe?

Vor ein paar Tagen hat Sram drei neue Schaltgruppen vorgestellt. Die Sram RED eTap AXS, die XX1 Eagle AXS und die X01 Eagle AXS. Für uns Triathleten spielt wohl hauptsächlich die RED Gruppe eine Rolle. Die XX1 ist für den Cross Country und die X01 für den Enduro Bereich gedacht. Deshalb konzentriere ich mich hier auch nur auf die RED. Was die Neuerungen und die Unterschiede zur alten RED eTap sind, erfährst du, wenn du weiterliest.

Das Offensichtlichste zuerst: 12-fach Kassetten

Nachdem Campagnolo ihre neue Super Record als 12-fach Gruppe vorgestellt hat, zieht Sram mit der RED eTap jetzt nach. X-Range™ – nennt Sram das neue 12-fach Konzept. Eine größere Bandbreite und feinere Abstufungen soll die neue Schaltung mit sich bringen. Zum Start des Verkaufs stehen drei XG-1290 Kassetten zwischen 10-26 und 10-33 zur Auswahl. Zudem wird eine neue Kurbel mit kleineren Kettenblättern angeboten. Die kleinste Kettenblatt Kombination ist 33-46, welche mit der 10-33 Kassette die Kompaktübersetzung darstellt. Die größte Kettenblatt Kombination hat 37-50 Zähne. Mit entsprechender 10-26 Kassette hat man eine klassische Standardübersetzung. Somit verlagert sich die Übersetzungsbandbreite von vorne nach hinten. Dazu kommen bis zu 7 einzähnige Gangwechsel bei den höheren Gängen. Das verspricht eine sehr präzise Steuerung der Trittfrequenz.
In Bezug auf Reibungsverluste der kleinen Ritzeldurchmesser kann ich da allerdings keinen Vorteil erkennen – dazu werde ich nochmal einen eigenen Beitrag verfassen.
Mit der 12-fach Technologie musste natürlich auch eine neue, schmalere Kette entwickelt werden. Durch das Flattop™ Design ist sie besonders auffällig und soll zudem leiser und langlebiger sein als die RED 22 Kette. Ob man trotz des neuen Designs auch andere Ketten fahren kann, wird sich noch zeigen.

Weg vom 110er bzw. 130er Lochkreis

Die Standardisierten Lochkreise waren für mich immer eine Sache die ich an den Sram Kurbeln perfekt fand. Bei der Kraftübertragung, wie bei Shimano Kurbeln mit vier Verbindungspunkten zu den Kettenblättern an spezifisch berechneten Stellen, gibt es bestimmt keinen großen Unterschied. Der große Vorteil war die Kompatibilität zu anderen Kettenblatt Herstellern wie Rotor oder Absolute Black u.a. . An der neuen RED Kurbel kann man leider nur noch die eigenen hochpreisigen Kettenblätter fahren. Wirtschaftlich gesehen ist das sicherlich ein Vorteil aber ich bin sicher, dass sich viele Kunden gegen diese Bauweise entscheiden werden.

Ein Schaltwerk mit integriertem Dämpfer – eTap für Gravel Bikes

Wie bei dem Shimano Ultegra RX und dem Sram Force 1 Schaltwerk hat das RED eTap AXS Schaltwerk nun auch einen dämpfenden Kettenstabilisator. Der Orbit™ Fluid Dämpfer ist wie der Name schon sagt ein flüssigkeitsbasierter Dämpfer. Gerade im Gravel und Cyclocross Bereich wird dieser für eine deutlich weichere und sichere Kettenführung sorgen.

Zudem bietet die neue Gruppe die Möglichkeit, Komponenten aus dem Mountainbike und dem Road Bereich zu mixen. So ist es ebenfalls möglich Kurbeln mit nur einem Kettenblatt zu fahren. Neben den Kettenblättern und Kurbeln aus dem Mountainbike Bereich wird auch eine 1-fach Aero Variante für Zeitfahrräder angeboten. Erhältlich ist sie direkt bei Quarq.

Der neue Quarq Dzero Powermeter ist in die Kettenblätter integriert

Die extrem teueren Kettenblätter haben einen Powermeter integriert – so schreibt es Sram in der offiziellen Beschreibung. Warum man dann trotzdem die spezielle Quarq Powermeter Kurbel benötigt ist mir noch nicht ganz klar. Möglicherweise sind die Dehnungsmessstreifen in den Kettenblättern integriert und auf der Kurbel sitzt die Telemetrie zur Datenübertragung. Das würde dann bedeuten, dass man mit jedem Wechsel der Kettenblätter auch die Messtechnik auswechselt. Erklären würde das auch den hohen Preis der Kettenblätter. Aber worin steckt dabei der Vorteil? Klar, neue Messtechnik! Aber warum, wenn alles funktioniert? Was die Wattwerte angeht sehe ich das sogar als Problem, da ich mir nicht vorstellen kann, dass der neue Powermeter nach Tausch der Kettenblätter genau die gleichen Werte anzeigt wie der Alte. Es handelt sich hier ja nicht um Präzisionsmesstechnik. Ich bin´ richtig gespannt auf die ersten Langzeittests.
Was das Aussehen angeht finde ich die neue Kurbel nicht sehr gelungen. Das größere Kettenblatt hebt sich durch die glänzende Oberfläche so sehr vom Rest ab, dass es aussieht wie das Gehäuse eines Ventilators. Mit dem schönen Stealth-Look der alten Red Kurbeln kann die neue Kurbel für mich nicht mithalten.

Die kleinere Blipbox bietet eine bessere Integration für Aerobikes

Die alte Blipbox ist ein ganz schöner Klotz. Auf dem Rennrad braucht man sie normalerweise nicht. Doch auf dem Zeitfahrrad ist sie unumgänglich, selbst wenn man nur zwei Blips oder Clics zum hoch bzw. runter Schalten verwendet. Will man das Cockpit clean haben, sei es aus optischen oder aerodynamischen Gründen, musste man sich mit der Blipbox schon was einfallen lassen. Diese Problem soll nun behoben sein.

Kompatibel mit dem Smartphone

Zuletzt ist noch zu erwähnen, dass die neuen Gruppen nun ähnlich wie die Shimano Gruppen über eine App mit dem Smartphone verbunden werden können. Hier bekommt man Informationen über den Zustand der Akkus, kann die Schaltung parametrieren und personalisieren. Beispielsweise kann man die Schaltlogik ändern, sodass links hoch und rechts runter geschaltet wird. Synchronized Shifts und Semi-Synchronized Shifts wie man es von Shimano kennt, sind ebenfalls möglich. Im sogenannten Enhanced Shift Mode lässt sich als Beispiel einstellen, dass man in die nächst größere oder kleinere Übersetzung schalten will. Ob der Umwerfer oder das Schaltwerk oder beide den Gangwechsel übernehmen, bestimmt die Schaltung selbst. Weiter bietet die App Erinnerungen über Wartungsintervalle und kann Updates durchführen. Leider kann man aktuell noch keine Microshifts zur Einstellung der Schaltung durchführen. Vielleicht kommt das ja noch mit einem Update.

Wie hoch ist der Kostenunterschied zu der RED eTap

Erstmal ist Sram mit einem verdammt hohen Preis ins Rennen gegangen. Die komplette Gruppe mit Scheibenbremsen habe ich im Internet für 3575€ gefunden. Den Powermeter gibt es übrigens noch nicht dazu. Dafür bezahlt man zusätzlich nochmal 1200€. Damit hat Sram sogar den Preis von Shimanos Dura-Ace Di2 um fast 1000€ überboten. Ich denke nicht, dass sich die Gruppe gut verkaufen wird. Am Ende wird der Markt den Preis regulieren. Ich würde euch daher empfehlen mit dem Kauf noch ein bisschen Geduld zu haben. Am Ende des Sommers wird der Preis zumindest ein wenig gefallen sein und es wird die ein oder anderen Testberichte zu den neuen Gruppen geben. Darüber hinaus sollte man sich vielleicht die alte Sram RED eTap anschauen. Die gibt es jetzt schon bei einigen Händlern deutlich reduziert. Zusammen mit einem Quarq DZero Powermeter ist man immer noch weit unter dem Preis der neuen Gruppe.

Die Top Rennräder aller namenhaften Hersteller werden bereits mit der AXS Gruppe angeboten. Wenn du dir einige der Räder und Hersteller anschauen möchtest klick hier.

Im Moment ist noch offen, ob Sram auch eine neue mechanische 12-fach Gruppe auf den Markt bringt. Für all diejenigen, die keine elektronische Gruppe bevorzugen, würde das eine deutlich günstigere Alternative darstellen. Auch interessant sind die Gerüchte über eine Force eTap AXS, die möglicherweise im April vorgestellt wird.

Kaufe ich mir die neue RED eTap Gruppe?

Vor allem die neue Übersetzungsbandbreite gepaart mit den feinen Gangabstufungen finde ich extrem interessant. Trotzdem werde ich mir die neue Gruppe bedingt durch den viel zu hohen Preis vorerst nicht kaufen. Bekomme ich sie in die Finger werde ich sie auf jeden Fall ausgiebig testen und darüber berichten.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Man muss sich aber mal die tatsächlichen Übersetzungsverhältnisse anschauen. Mit dem Wechsel 11 auf 10 beim kleinsten Ritzel sind die Sprünge am oberen Ende um 10% gestiegen. Am unteren Ende sind die Sprünge 21-24-28 der 10-28 Kassette um 30% weiter abgestuft als die 21-23-25-28 einer 11-28 Kassette. Als Gegenzug bekommt man eine engere Abstufung im mittleren Bereich, und eine angeblich bessere Schaltperformance durch den kleineren Ketteblatt-Sprung vorne (13 Zähne vs. 14 bzw. 16 Zähne). Ich hatte es durchgerechnet, und ich kann in keiner Konfiguration einen Vorteil der 12-Fach gegenüber der 11-Fach erkennen, wegen der bescheidenen Abstufung.

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