Aero Helm Test 2019-No.2

Aero Helm Test 2019-No.2

Nach dem Hitzerennen bei der Ironman Europa Meisterschaft in Frankfurt am Main und eine Woche später bei der Challenge Roth haben viele von uns ihr Hauptrennen in diesem Jahr schon gefinished. Für einige fängt jedoch erst die zweite Saisonhälfte an – die 70.3 Weltmeisterschaft in Nizza oder sogar der Ironman auf Hawaii. Wer bis hierher ohne Aero Helm gekommen ist, oder das Rennsetup, was den Helm betrifft, verbessern möchte, sollte sich meinen Aero Helm Test 2019-No.2 mal anschauen.

Wie in meinem ersten Aero Helm Test 2019, wollte ich diesmal drei weitere Aero Helme testen. Letztes Mal entschied ich mich für Helme im Preissegment um die 200€. In diesem Test habe ich mir kein Preislimit gesetzt. Ich wollte die für mich interessantesten Helme ausprobieren. So liegen die Helme preislich zwischen 315€ und 460€. Meine Wahl fiel auf den Kask Bambino Pro für 315€, den POC Cerebel für 370€ sowie den sehr teuren Oakley Aro 7 für 460€. Teilweise werde ich die Helme noch mit meinem Giro Aerohead vergleichen. Mit diesem Helm konnte ich schon einige Erfahrungen im Wettkampfalltag sammeln.

Auf Herstellerangaben über individuelle Merkmale werde ich hier nicht eingehen. Meistens handelt es sich um Verkaufsargumente, welche mich schon lange nicht mehr interessieren. Ich versuche zu beschreiben, wie sich die Helme anfühlen und welchen Eindruck Material und Verarbeitung machen. Stimmt die Qualität in Bezug auf den Preis? Auch die durchaus wichtige Frage, welchen aerodynamischen Benefit man durch den jeweiligen Helm hat, kann ich hier leider nicht beantworten. Eine allgemeine Gültigkeit hätte dies sowieso nicht, weil das System aus Fahrer bzw. Körperhaltung und Helm zusammen, den individuellen Einfluss auf die Aerodynamik bilden.
Aber nun viel Spaß beim Lesen.

Kask Bambino Pro – Erste Wahl des Überbikers Cameron Wurf

Kask Bambino Pro

Er ist der preislich günstigste Helm dieses Tests. Mit rund 315 Euro jedoch nicht gerade ein Schnäppchen.
Durch sein klares Visier ist er mir vor allem bei Cameron Wurf aufgefallen.

  • Ausgeliefert wird er in einem Tragebeutel, welches ihn bei der Lagerung gut vor Kratzern schützt. Für die Wechselzone oder den Transport finde ich sie nicht sonderlich praktisch
  • Er ist der einzige Helm mit einem komplett klaren Visier. Bei „nur“ einem Visier würde ich mir eher ein getöntes wünschen, da zumindest meine Rennen im Sommer und meistens bei gutem Wetter stattfinden
  • Was die Befestigung angeht ist das Visier spitzenmäßig. Es hält perfekt in beiden Positionen (vor den Augen und falls nicht benötigt, oben auf dem Helm). Drei Magnete klacken lautstark und zuverlässig aufeinander
  • Äußerst bequem – Durch viele Polsterelemente bietet der Helm ein sehr angenehmes Tragegefühl. Sogar der Kinnriemen hat ein Polster aus Leder
  • Die Helmschale fühlt sich, verglichen mit den folgenden beiden Helmen nicht so hochwertig an. Das soll nicht heißen, dass die Qualität so schlecht ist, wie die des Uvex Race 8 aus dem letzten Test
  • In Größe M lässt sich der Helm nicht so einfach enger stellen, da man kaum an die Einstellschraube herankommt
  • Er verfügt über eine gut durchdachte Belüftung. Die vorderen Lufteinlässe sind nicht konturiert. Das soll für geringere Luftverwirbelungen sorgen. Zur Stirn hin, also hinter der Außenschale, werden die Lufteinlässe größer und man spürt den Fahrtwind am Kopf
  • Verglichen mit meinem Giro Aerohead ist der Helm relativ leise. Der Giro wirkt wie ein Geräuschverstärker auf alle äußeren Einflüsse

Oakley Aro 7 – Jan Frodeno, Nick Kastelein, Team Katusha Alpecin

Oakley Aro 7 - Aero Helm Test 2019 No.2

Bei der für sich sprechenden Anzahl von Topathleten, die mit Oakley Helmen unterwegs sind, wollte ich den Aro 7 unbedingt in meinem Aero Helm Test 2019-No.2 aufnehmen. Meine Erwartungen sind hier ganz besonders hoch. Bei einem Preis von 460 Euro muss einfach alles passen.
Bis auf den Giro Aerohead Ultimate MIPS, welcher komplett aus einem Spezial-Carbon, der TeXtreme-Kohlefaser, hergestellt wird und damit knapp 600€ kostet, ist mir kein teurerer Helm für Radfahrer bekannt. Folgendes ist mir aufgefallen:

  • Er wird in einem robusten Case geliefert, welches Platz für ein zweites Visier bereithält. Neben den Schutzeigenschaften sorgt es für einen leereren Rucksack in der Wechselzone
  • Ebenfalls im Lieferumfang enthalten ist neben dem bekannten Oakley Prizm Road noch ein klares Visier für schlechte Lichtverhältnisse. Allein diese Visiere treiben den Gesamtpreis schon in die Höhe
  • Genau wie der Giro Vanquish MIPS, erinnert mich seine Form an einen Ski- Snowboardhelm
  • Die Belüftung ist ausgezeichnet. Man spürt sie schon beim Gehen!
  • Ausgestattet mit der MIPS Technologie ist er in diesem Test der womöglich sicherste Helm
  • Ein Boa-Verschluss sorgt dafür, dass sich der Helm perfekt an die Kopfform anpasst. Damit trägt er sich sehr bequem 
  • Über einen Magnetverschluss wird der Helm verschlossen. It´s like Magic!
    Gefühlt wirft man beide Enden einfach zusammen und der Helm ist verschlossen
  • Das Visier kann vor dem Gesicht oder auf dem Helm getragen werden. Es wird durch zwei Magnete gehalten. Leider lässt es sich gar nicht gut aufsetzen. Um die Magnetpins einzuführen, muss das Visier gegen den Helm gedrückt und dann nach oben geschoben werden. Das ist sehr fummelig und wird von Oakley hoffentlich überarbeitet. Für meinen Geschmack ist das ungenügend
  • Die seitlichen Wangen des Helmchassis sind ein wenig scharfkantig, was sich beim Aufsetzen störend bemerkbar macht

POC Cerebel – Der Helm, den ich schon so lange haben will

Poc Cerebel - Aero Helm Test 2019 No.2

Beim Cerebel war ich schon ein bisschen voreingenommen. Ich finde den Helm geil. Ich mag einfach sein Aussehen, ob er nun gut oder schlecht ist.

  • Top für die Wechselzone – auch der Cerebel wird in einem kompakten Hardcase geliefert. Allerdings ist das Case so kompakt, dass das zusätzlich mitgelieferte Visier keinen sicheren Platz darin findet
  • Zwei hochwertige Carl-Zeiss Visiere befinden sich im Lieferumfang. Eins davon ist für schlechte Lichtverhältnisse gedacht. Es ist leicht gelblich getönt. Das zweite Visier ist für hellere Lichtverhältnisse. Es ist aber nicht zu dunkel getönt. Sowohl bei direktem Sonnenlicht als auch im Schatten ist man damit bestens gerüstet. Für meinen Geschmack könnte es noch verspiegelt sein. Das würde noch besser aussehen
  • Leider wurde bei der Konstruktion vergessen, dass man das Visier auch mal abnehmen und oben auf dem Helm befestigen möchte. Das ist beim Cerebel nicht möglich.
  • Im Bereich der Ohren läuft die Helmschale relativ eng zusammen. Hierauf muss man beim Aufsetzen achten
  • Kritisch sehe ich bei diesem Helm die Belüftung des Kopfes. Außer oben im Visier hat er keine Lüftungsschlitze. Aerodynamisch ist das wahrscheinlich von Vorteil, aber bei einem Rennen wie beim Ironman Frankfurt 2019 mit annähernd 40°C möchte ich so einen Helm nicht tragen
  • Genau wie bei den beiden anderen Helmen ist mir sofort aufgefallen wie leise es im Helm ist

Aero Helm Test 2019-No.2 – Welcher Helm ist der beste?

Der beste? Hierauf eine Antwort zu geben ist gar nicht so einfach. In erster Linie sollte euch der Helm passen. Vor allen aerodynamischen Vorteilen sollte eure Sicherheit am Wichtigsten sein.
Am meisten enttäuscht hat mich die magnetische Visierbefestigung des Aro 7 von Oakley. Auch nach dem gefühlt hundertsten Mal, ist es schwierig das Visier sicher und schnell einzusetzen. Im Rennen könnte ich so etwas überhaupt nicht gebrauchen. Um sicherzustellen, dass es einem nicht beim Einsetzen aus der Hand rutscht muss es von Anfang an vor den Augen befestigt sein. Ich setze mir das Visier gerne erst nach dem Anziehen meiner Schuhe auf. Mit dem Oakley wäre mir das zu heikel.
Beim Kask Bambino Pro ist das Visierhandling vom Feinsten. Ein getöntes Visier würde mir aber besser gefallen. Das Tragegefühlt ist ausgezeichnet. Mich stört jedoch, dass man weder ein zweites Visier noch ein Case wie beispielsweise beim Poc Cerebel dazu bekommt.

Damit könnte der Poc Cerebel der Sieger des Tests sein – könnte. Für 370€ bekommt ihr einen sehr komfortablen Aerohelm inklusive Case und zwei hochwertigen Carl-Zeiss Visieren. Ausstattung und Design passen beim Poc zum Preis. Das Problem ist die Belüftung ausschließlich durch Öffnungen im Visier. Mir ist es im Helm einfach zu warm geworden. Das man das Visier nicht umgedreht auf dem Helm tragen kann, so wie bei fast allen gängigen Aerohelmen stört mich ebenfalls. Wem diese beiden Punkte nichts ausmachen, sollte sich den Poc Cerebel auf jeden Fall man genauer anschauen. Alle getesteten Helme bekommt ihr beispielsweise bei Fahrrad.de

Welcher ist der beste Helm für mich?

Wie Anfangs angekündigt habe ich mir bei meinem Aero Helm Test 2019-No.2 kein Preislimit gesetzt. Es versteht sich jedoch von selbst, dass ich für mein Geld auch was bekommen will.
Der Hauptgrund für einen Helmwechsel war bei mir die Akustik innerhalb des Helms. Mein Giro Aerohead wirkt wie ein Lautsprecher auf alles was von außen auf ihn einwirkt. Alle Helme in diesem Test konnten mich in Bezug auf Geräusche überzeugen. Keiner ist auch nur annähernd so laut wie der Giro. 
Da ich mein Equipment für die Mittel bzw. Langdistanz auslege, versuche ich besonders auf Komfort und Aerodynamik zu achten. Alle getesteten Helme tragen sich komfortabel. Der Oakley ist zwar mit einem Boa Verschluss ausgestattet, welches sich im ersten Moment super bequem anfühlt. Bei längerem tragen war das aber kein Vorteil im Vergleich zu den anderen Helmen.

Es bleibt also nur noch die Aerodynamik. Weil ich auf keine ausgeklügelten Messverfahren zurückgreifen kann, habe ich Fotos von vorne und von der Seite gemacht, jeweils in Kopfpositionen, welche ich auch fahren kann. Hierbei sehen für mich der Poc Cerebel und der Giro Aerohead am besten aus. Beide verkleinern den Bereich zwischen Kopf und Schulter sehr gut. Von vorne betrachtet, bietet der schmalere Poc eine geringere Angriffsfläche für den Wind. Ich würde mich für diesen Helm entscheiden, wenn er ein anderes Befestigungssystem für das Visier und eine bessere Belüftung hätte. Da der Helm schon seit ein paar Jahren auf dem Markt ist, werde ich noch ein bisschen mit dem Kauf warten. Vielleicht kommt ja demnächst ein passendes Update raus.

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